{"id":144,"date":"2025-02-18T11:23:20","date_gmt":"2025-02-18T10:23:20","guid":{"rendered":"https:\/\/churerdeutsch.ch\/?page_id=144"},"modified":"2025-04-03T15:47:47","modified_gmt":"2025-04-03T13:47:47","slug":"vilaterlai-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/churerdeutsch.ch\/?page_id=144","title":{"rendered":"VILATERLAI"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Churer Bilder und Geschichten<\/h4>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"540\" height=\"598\" src=\"https:\/\/churerdeutsch.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Vilaterlai.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-134\" srcset=\"https:\/\/churerdeutsch.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Vilaterlai.jpeg 540w, https:\/\/churerdeutsch.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Vilaterlai-271x300.jpeg 271w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Aus dem Vorwort<\/h4>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Vor langer Zeit,<\/p>\n\n\n\n<p>da gab es in Chur noch keine Autos, statt Lastwagen verkehrten Zwei- und Viersp\u00e4nner auf den Gassen. Und dort, wo der heutige Arcas die G\u00e4ste zum Verweilen einl\u00e4dt, standen noch Magazine. Und alles war ziemlich d\u00fcster. Die Wohnungen hatten zum Teil kein fliessendes Wasser, gebadet wurde im Volkshaus. Telefonistinnen stellten noch von Hand Telefonverbindungen her. Die Telefonnummern setzten sich noch aus drei Zi\ufb00ern zusammen. Und wer in der Migros einkaufen ging, wurde schief angesehen; denn die Migros wurde als Bedrohung f\u00fcr das einheimische Kleingewerbe angesehen. Sch\u00fcler der katholischen Hofschule \u00e4rgerten die Sch\u00fcler der eher reformierten Stadtschule, und umgekehrt nat\u00fcrlich auch. Pfarrherren und der Sittenverein sorgten daf\u00fcr, dass Zucht und Ordnung herrschte, dass an kirchlichen Feiertagen die Schaufenster verh\u00e4ngt werden mussten und keine unanst\u00e4ndigen Kunstdrucke ausgestellt werden sollten. Und im Norden von Chur, am Bodensee, tobten zwei Weltkriege, die den Alltag in Chur in irgendeiner Form mitbestimmten, sei es, dass Flugzeuge \u00fcber Chur hinwegzogen, dass Fl\u00fcchtlinge Schutz suchten, oder dass schlichtweg die V\u00e4ter monatelang von zu Hause weg waren. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns die oben dargestellten Fakten vor Augen halten, dann denken wir, das m\u00fcsse alles schon ewig lange zur\u00fcckliegen. Tatsache aber ist, dass es heute noch zahlreiche \u00e4ltere Churerinnen und Churer gibt, die das alles miterlebt haben. Aus heutiger Sicht lebten diese Mitbewohner in einer anderen \u2013 uns unvorstellbaren Welt. Und doch ist das alles noch gar nicht so lange her. Das heute selbstverst\u00e4ndliche Internet wurde erst Anfang der 1990er-Jahre \u00f6\ufb00entlich nutzbar. Das Natel-C-Netz kam in der Schweiz 1987 auf den Markt. Steve Jobs stellte das Ur-iPhone 2G am 9. Januar 2007 der Welt vor und revolutionierte damit das Smartphone. In der Jugendzeit unserer Informantinnen und Informanten h\u00e4tte niemand daran geglaubt, dass es je solche technische Innovationen \u00fcberhaupt geben k\u00f6nnte. Unvorstellbar war schon, dass heute jeder Haushalt mit Waschmaschine, eigenem Bad und fliessend warm- und kalt Wasser ausgestattet sein w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben vor sechs Jahren zum ersten Mal und dann immer wieder \u00e4ltere Churerinnen und Churer besucht, sie nach ihren Erinnerungen befragt. Dabei sind nat\u00fcrlich auch nostalgische Geschichten aufgetaucht, Beschreibungen von Churer Originalen, sch\u00f6ne Jugendstreiche und lustige Anekdoten. Daneben aber haben wir Tragisches geh\u00f6rt und von zahlreichen Fakten erfahren, die in keinem Geschichtsbuch stehen. Die Erz\u00e4hlungen unserer Informantinnen und Informanten sind also zugleich nostalgische Zeugen einer vergangenen Zeit, aber auch historische Dokumente zur Churer Alltagskultur, zu den damaligen Wertvorstellungen und zur pers\u00f6nlichen Wahrnehmung historischer Ereignisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Authentizit\u00e4t der Erz\u00e4hlungen nicht zu zerst\u00f6ren, haben wir uns bei der Verschriftung der Erz\u00e4hlungen relativ nahe an die Originalerz\u00e4hlweise unserer Gespr\u00e4chspartnerinnen und Gespr\u00e4chspartner gehalten. S\u00e4tze werden dabei angefangen, mit anderen gekreuzt und mit einem dritten Satzinhalt beendet. Es tauchen Grammatikfehler auf; die Satzstrukturen sind zum Teil so, wie sie die Deutschlehrer uns verboten haben: und dann \u2026 und dann \u2026 und dann \u2026 Aber so ist gesprochene Sprache. Die Texte werden damit nicht nur zum Zeugnis einer fr\u00fcheren Zeit, sie werden auch zum Zeugnis der gesprochenen Sprache von Chur. Bei den einen h\u00f6rt man noch die Unterl\u00e4nder Mutter durchschimmern, bei den anderen ist es der Ausbildungsaufenthalt im Unterland, alles Realit\u00e4ten und Auswirkungen der Biographien unserer Gespr\u00e4chspartner. Das viel gepriesene \u201eechte\u201c Churerdeutsch gab es o\ufb00enbar schon damals nicht mehr. \u201eVilaterlai\u201c Sprachausformungen haben gewisse Wendungen, Konstruktionen und W\u00f6rter, die heute den churerdeutschen Alltag pr\u00e4gen, vorweggenommen und bef\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Informantinnen und Informanten haben uns auch ihre Fotoalben ge\u00f6\ufb00net und Bilder aus dem privaten Album zur Verf\u00fcgung gestellt. Damit k\u00f6nnen wir zahlreiche Bilder pr\u00e4sentieren, die bisher noch nie ver\u00f6\ufb00entlicht wurden. Zudem haben wir im Stadtarchiv und in privaten Sammlungen nach weiterem, unverbrauchtem Fotomaterial gesucht, das die Stimmung der vergangenen Zeit einf\u00e4ngt und die Aussagen der Informanten illustriert. So wie die Texte l\u00f6sen auch die Bilder teilweise ungl\u00e4ubiges Staunen aus. Uns heute selbstverst\u00e4ndlich erscheinende Quartiere waren schlichtweg noch nicht vorhanden. Pr\u00e4chtige Geb\u00e4ude wurden geschleift, wichtige \u201eZeitzeiger\u201c zerst\u00f6rt, die Altstadt mit Neubauten verfremdet. In der Erinnerung sind sie aber noch da, die alten Geb\u00e4ude mit ihren Bewohnerinnen und Bewohnern, mit ihren L\u00e4den und ihren Geschichten.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erinnerungen unserer Informantinnen und Informantinnen setzen ungef\u00e4hr im Jahre 1910 ein, als Erz\u00e4hlenh\u00f6ren von ihren Eltern. Im Jahr 1900 wies Chur noch 11\u2018718 Einwohnerinnen und Einwohner auf, im Jahr 1935 bereits 16\u2018644, im Jahr 1950 dann 19\u2018083 und bis 1970 erfolgte der sprunghafte Anstieg auf 31\u2018303. Aus dem Dorf Chur ist in kurzer Zeit eine Stadt geworden, die weit \u00fcber die Stadtmauern hinausgewachsen ist. Bei den Gespr\u00e4chen mit unseren Informantinnen und Informanten haben wir immer wieder festgestellt, dass man sich \u201edamals\u201c kannte. Die Geschichten \u00fcberschneiden sich teilweise. Die einen haben best\u00e4tigt, was die anderen angeschnitten haben und es ausgef\u00fchrt. Und bei allen Erz\u00e4hlenden ist eine grosse Liebe zur \u201eHeimatstadt\u201c Chur herauszusp\u00fcren, auch wenn sie schon seit einiger Zeit nicht mehr in Chur wohnen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aussagen unserer Informantinnen und Informanten haben wir nicht weiter \u00fcberpr\u00fcft. Vielleicht stimmen einige Jahreszahlen und Angaben nicht genau mit den historischen Fakten \u00fcberein. In den Bildlegenden und Kommentaren zu den Fotos versuchten wir aber, m\u00f6glichst genau zu sein. Manchmal fanden wir Quellenangaben, die eine Datierung und Lokalisierung m\u00f6glich machten. Manchmal waren wir auf die Informationen unserer Informantinnen und Informanten angewiesen, manchmal konnten wir die Fakten nicht genauer bestimmen, so dass wir eine ungef\u00e4hre Positionierung vornahmen. Wir bitten um Verst\u00e4ndnis, falls sich irgendwo Fehler ergeben haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fotos stammen aus dem Stadtarchiv Chur, dem Staatsarchiv Graub\u00fcnden, aus der e-pics-Bildersammlung der ETH-Bibliothek, aus verschiedenen Publikationen, aus privaten Sammlungen und aus pers\u00f6nlichen Fotoalben unserer Gespr\u00e4chspartner. Insbesondere bedanken wir uns bei lic. phil. Susanna Kraus Casutt, bei Dr. Ulf Wendler (Stadtarchiv Chur) und bei Franziska Gredig Steinmann (Staatsarchiv Graub\u00fcnden) f\u00fcr ihre Unterst\u00fctzung bei den Recherchen in den Archiven. Wir danken allen \u00f6\ufb00entlichen Archiven und privaten Eigent\u00fcmerinnen und Eigent\u00fcmern, sowie im speziellen Postkartensammler Max Dendorfer, dass sie ihre Abbildungen sowie dazugeh\u00f6rige Informationen grossz\u00fcgig f\u00fcr eine Ver\u00f6\ufb00entlichung zur Verf\u00fcgung gestellt haben. Den noch lebenden Fotografen danken wir f\u00fcr die \u00dcberlassung der Publikationsrechte. Ausserdem sind wir Marcel Cavelti f\u00fcr die Aufnahmen f\u00fcr das Postkartenset und die Panoramaaufnahme in der Mitte des Buches zu Dank verpflichtet. Wir haben uns bem\u00fcht, s\u00e4mtliche Rechteinhaber anzugeben. Falls wir eine Quelle ungenau oder unvollst\u00e4ndig notiert haben, entschuldigen wir uns f\u00fcr dieses Vers\u00e4umnis und bitten darum, uns zu informieren.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir danken allen Beteiligten, die uns bei der Herausgabe dieses Buches unterst\u00fctzt haben und uns mit ihrer Begeisterung davon \u00fcberzeugt haben, dass sich die Arbeit lohnt. W\u00e4hrend der Vorbereitung der Publikation haben wir immer wieder gesp\u00fcrt, wie Bilder und Texte Diskussionen ausl\u00f6sen, wie Erinnerungen wachgerufen wurden, wie jeder und jede selber einen Beitrag zum Buch h\u00e4tte leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Chur, Dezember 2015, Oscar Eckhardt und Patrick Blumenthal<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>PDF-Beispiele aus dem Buch<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/churerdeutsch.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/VILATERLAI-Domenic-Cantieni.pdf\" data-type=\"attachment\" data-id=\"192\">Domenic Cantieni<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/churerdeutsch.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/VILATERLAI-Gaudenz-Schmid.pdf\" data-type=\"attachment\" data-id=\"193\">Gaudenz Schmid<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/churerdeutsch.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/VILATERLAI-Alexanderstrasse.pdf\" data-type=\"attachment\" data-id=\"191\">Alexanderstrasse<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Buch kann in allen Buchhandlungen oder \u00fcber die Konttaktadresse dieser Website bestellt werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beitrag im Regionaljournal Graub\u00fcnden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/graubuenden-vilaterlai-oder-der-besondere-blick-auf-alt-chur\">https:\/\/www.srf.ch\/news\/graubuenden-vilaterlai-oder-der-besondere-blick-auf-alt-chur<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Churer Bilder und Geschichten Aus dem Vorwort Vor langer Zeit, da gab es in Chur noch keine Autos, statt Lastwagen verkehrten Zwei- und Viersp\u00e4nner auf den Gassen. 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